Corona App - So funktioniert die Warn-App fürs Smartphone

In einigen Ländern schon erprobt, wird nun auch in Deutschland eine App kommen, um vor Kontakten mit Corona-Infizierten zu warnen. Aber wie sieht es mit dem Datenschutz aus? So soll die App funktionieren.

In Zeiten des Corona-Virus' wünschen sich viele Menschen mehr Sicherheit, wann und ob sie sich infizieren könnten. Besonders der Aspekt der Vorwarnung beim Kontakt mit Infizierten spielt eine große Rolle. Denn das Tückische am Corona-Virus ist, dass es bei vielen keine oder nur milde Symptome verursacht. Ungewollt stecken wir uns gegenseitig an, so dass eine Kontaktnachverfolgung bei erkannten Infektionen sinnvoll erscheint.

In Asien haben Länder wie Südkorea und Singapur schon länger sogenannte Corona-Warn-Apps im Einsatz. In Südkorea greifen solche Apps dabei sensible Daten von Kreditkarten und Überwachungskameras ab, um Standorte von Infizierten und deren Kontakte zu ermitteln. Das ist mit der deutschen bzw. europäischen Datenschutzverordnung nicht vereinbar, da der Eingriff in die persönliche Privatsphäre nicht erlaubt ist. Zudem ist unklar, wo und ob solche sensiblen Daten gespeichert werden. In Europa wird bereits in Österreich und Frankreich eine App eingesetzt, die wesentlich sensibler mit den Nutzerdaten umgeht.

Corona App Entwicklung

Die deutsche Bundesregierung hat beschlossen, eine App von der Telekom und SAP entwickeln zu lassen. Alle Dokumente und Vorgänge sowie der Quellcode während der Entwicklung waren und sind stets öffentlich und transparent, jeder kann also wie beim Auto unter die Motorhaube schauen. Herausgeber der App ist das Robert-Koch-Institut.

Was muss ich tun?

Die App auf dem Smartphone installieren und sicherstellen, dass die Bluetooth-Funktion eingeschaltet ist. Das war's.

Wie funktioniert die Corona-App?

Basis der App ist die Bluetooth-Technologie, die man von kabellosen Kopfhörern kennt. Ist diese Funktion auf dem Smartphone eingeschaltet, können im näheren Umfeld andere Geräte mit eingeschaltetem Bluetooth aufgespürt und erkannt werden. Halten sich zwei Geräte länger in diesem Umfeld auf, wird diese Begegnung anonym für 20 Tage gespeichert.

Erkrankt jemand an Covid-19, muss er das in seiner App eingeben. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden erhalten die zuvor gespeicherten Kontakte daraufhin eine Warnung sowie den Hinweis, sich testen zu lassen und sich bis zum Testergebnis in Quarantäne zu begeben. Die Gesundheitsbehörden und der Infizierte erfahren hierbei nicht, wer eine solche Warnung erhält.

Missbrauch der App?

Um zu verhindern, dass sich jemand aus Spaßgründen fälschlicherweise als Corona-Patient ausgibt und damit unnötigerweise Menschen in die Quarantäne oder zum Test schickt, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird das Ergebnis des eigenen Tests an die App direkt geschickt und man erhält die Möglichkeit der Status-Freischaltung. Oder man bekommt mit einem positiven Testergebnis eine Art TAN, um die Positiv-Meldung freizuschalten.

Eine Infektion muss also immer von einem Arzt oder Gesundheitsamt bestätigt werden. Der Datenschutz wird dadurch nicht verletzt, da Covid-19 sowieso eine meldepflichtige Krankheit ist.

Vorteil der Corona App

Die Speicherung der Daten erfolgt ausschließlich lokal auf dem eigenen Smartphone und ist anonymisiert. Im Gegensatz zu Singapur soll nicht einmal eine Handynummer erfasst werden. Auch Bewegungs-, Standort- oder Kontaktdaten bleiben außen vor. Nur im Fall einer Infektion soll es zum Datenaustausch kommen.

Die Technik soll so punktgenau entwickelt werden, dass die App sogar erkennt, ob zwischen den einzelnen Smartphones eine Wand oder Scheibe vorhanden war. Eine fälschliche Warnung durch zum Beispiel Nachbarn soll somit vermieden werden. Ob das funktioniert oder es doch zu Fehlalarmen kommt, kann aber erst die Praxis zeigen.

Nachteil der Corona App

Mindestens 50, eher 60 bis 70 Prozent der deutschen Bevölkerung müssten sich die App freiwillig installieren und zur Verwendung freischalten, so die Einschätzung des Fraunhofer-Instituts. Nur dann wäre eine Flächendeckung gegeben.

Eine solche App könnte ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Anwender könnten sich zu sehr darauf verlassen, nur auf diese App und weniger auf eigene Symptome oder die Einhaltung der anderen Anti-Corona-Maßnahmen zu achten, so das Forschungsinstitut.

(Quelle auszugsweise: BR)



Erstellt am 15.06.2020 13:20, geändert am 15.06.2020 13:20