Wer wird wann gegen Corona geimpft? - Hinweise zur anstehenden Impfung (Stand: 23.12.2020)

Es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, die Pandemie zu beenden: Ein Impfstoff gegen das Covid-19-Virus. Was ist das für ein Stoff? Und wer wird zuerst geimpft? Wir beantworten Ihnen alle Fragen rund um den Impfstoff.

Corona

Wann wird in Deutschland geimpft?

Es ist soweit: Die Impfungen gegen das Coronavirus können in der Europäischen Union beginnen. Die Impfzentren in Bayern sind bereit und am Montag, den 21.Dezember, haben die Europäische Arzneimittelbehörde EMA und die Europäische Kommission den Impfstoff von BioNTech und Pfizer zugelassen.

Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit soll Deutschland am 27.12.2020 eine erste Lieferung des Impfstoffes erhalten. 151.125 Impfdosen sollen an diesem Tag geliefert werden, weitere folgen. Eine Impfverordnung legt fest, wer zuerst geimpft werden soll.

Virologe Prof. Klaus Stöhr beantwortet viel Fragen rund um den Impfstoff im BAYERN 1 Interview vom 23.12.2020:

Wer wird zuerst geimpft?

Es soll in Deutschland keine Impfpflicht geben. Das hat Gesundheitsminister Jens Spahn wiederholt betont. 

Am 18. Dezember hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Impfverordnung unterschrieben, mit der geregelt wird, wer den Impfstoff gegen Covid-19 als erstes erhalten soll. Die Verordnung beruht auf Kategorien, die von der der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) erstellt wurde und die Bevölkerung nach Dringlichkeit einteilt. Alle Menschen im Alter von über 80 Jahren, Heimbewohner, Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich sowie Beschäftigte in Notaufnahmen und Covid-19-Stationen, ebenso andere Beschäftigte in Pflegeheimen, Personen mit Behinderungen und Demenzpatienten sowie deren Betreuungspersonal fallen unter die Kategorie 1 und werden als erste geimpft. Nach Angaben des RKI gehören dazu mehr als 8,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Entscheidung beruht auf ethischen und rechtlichen Überlegungen sowie komplexen Modellrechnungen. Dort werden epidemiologische und gesundheitsökonomische Auswirkungen verschiedener Impfstrategien berechnet, wie: Wie vermeidet man Todesfälle und Klinikeinweisungen? Wie lässt sich die Ausbreitung des Virus effektiv stoppen und das knappe Gut 'Impfstoff' gerecht verteilen? Und: Was kann der Impfstoff überhaupt, wie wirkt er?

Wie erfahre ich, ob ich geimpft werden kann?

Für einen Termin im Impfzentrum brauchen Sie eine Bestätigung von Ihrem Hausarzt, dass Sie zur entsprechenden Kathegorie gehören.

Betroffene bekommen eine Nachricht von Ihrem Hausarzt, ob sie in die entsprechende Bevölkerungsgruppe fallen, die zuerst geimpft wird. Jens Spahn bat alle um Geduld. Die Impfzentren sollen nicht überrannt werden. Niemand muss selbst aktiv werden. Die zuständigen Behörden und Ärzte informieren jede Privatperson, wann sie sich impfen lassen kann. Zudem brauchen Sie einen Termin im Impfzentrum.

Werden Menschen geimpft, die an Covid-19 erkrankt waren?

Übrigens: Wer bereits eine Infektion mit Sars-CoV-2 nachweislich durchgemacht hat, wird zunächst nicht geimpft.

Was kostet die Impfung gegen Covid-19?

Der Impfstoff soll in Deutschland kostenlos sein. Die Kosten für den Aufbau und die Organisation von Impfzentren sollen von Bund, Ländern und aus Mitteln der Krankenversicherungen getragen werden.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Von allen Impfstoffen, die in Europa eine Zulassung beantragt haben, sind bisher keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt. In den Tagen nach der Impfung kann es zu Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle kommen, ähnlich wie bei allen anderen Impfungen auch.

Welche Langzeitschäden sind bekannt?

Natürlich sind zum jetzigen zeitpunkt keine Landzeitschäden bekannt, da seit der Impfung bei den ersten Probanten nicht genug zeit vergangen ist. Allerdings erfolgt die Zulassung eines Impfstoffes immer nur unter der Auflage weitere Daten zu sammeln. Herrsteller und Forschungsinstitute sind dazu verpflichtet Geimpfte zu beobachten und Langzeitnebenwirkungen zu vermerken. Zudem gibt es in Deutschland eine Arzneimittelüberwachungsbehörde, deren AUfgabe genau darin besteht seltene Nebenwirkungen und Langzeitfolgen im Blick zu haben.

Wo kann ich mich mit dem Covid-Impfstoff impfen lassen?

Die Impfzentren in Bayern sind vorbereitet und warten nur noch auf den Impfstoff.

In jedem Landkreis und in jeder Stadt werden derzeit Impfzentren eingerichtet. Zudem soll es mobile Impfteams geben für bewegungseingeschränkte Menschen und Pflegeeinrichtungen. Die Zentren haben eine Brückenfunktion. Sie sollen so lange die Massenimpfung übernehmen, bis die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland diese Aufgabe weiterführen können. Hier finden Sie die Impfzentren in Bayern.

Wie hoch muss die Impfquote sein?

Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge genügt eine Immunisierung von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung, um die Verbreitung von Corona aufzuhalten. Nach Ansicht von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung nötig. Das wären in Deutschland mindestens rund 50 Millionen Menschen, die sich impfen lassen müssten.

Wer will sich mit dem Covid-Impstoff impfen lassen - Impfbereitschaft Deutschland

Grundsätzlich ist in Deutschland die Impfbereitschaft hoch. Aus einer Umfrage von Infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend geht hervor, dass sich 37 Prozent sich auf jeden Fall impfen lassen wollen. 34 Prozent halten es für wahrscheinlich, 29 Prozent wollen sich nicht impfen lassen.

Ist man nach der Impfung noch ansteckend?

Studien zeigen, dass der Impfstoff eine Covid-19 Erkrankung verhindert. Man kann jedoch nicht ausschließen, dass der Körper das Virus trotzdem aufnimmt. So kann es sein, dass man trotz Impfung das Virus mit sich herumträgt. Man kann also theoretisch jemanden anstecken, obwohl man selbst nicht krank ist.

Wie lange wirkt die Impfung?

Die Hersteller des Impfstoffs gehen davon aus, dass der Schutz der Impfung mindestens zwei Jahre hält – vielleicht sogar deutlich länger. Um diese Frage aber mit Sicherheit beantworten zu können, müssen die Testgruppen weiterhin beobachtet werden. Aktuell kann man darüber also keine gesicherte Aussage treffen.

Welche Impfstoffe gegen Covid-19 gibt es?

Weltweit wird gerade überall an einem Corona-Impfstoffen geforscht. Zu Beginn der Pandemie gab es mehrere hundert Stoffe, die im Labor und klinisch getestet wurden. Zwei davon haben sich durchgesetzt: "BNT172b" von BioNTech und Pfizer sowie "RNA-1273" von Moderna. Neben diesen beiden Impfstoffen arbeiten auch andere Pharmakonzerne in fortgeschrittenem Stadium an Corona-Impfstoffen, darunter der britisch-schwedische Konzert AstraZeneca, Johnson&Johnson und Sanofi-GSK. Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain haben bereits Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit schon Teile der Bevölkerung.

Covid-Impfstoff "BNT162b" von BioNTech und Pfizer

Der Impfstoff "BNT162b" wurde von der Firma BioNTech aus Mainz und dem US-amerikanischen Unternehmen Pfizer entwickelt. Dieser Impfstoff ist seit dem 21.12.20 in ganz Europa regulär zugelassen.

Die Impfung erfolgt in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass der Stoff in 95 Prozent der Fälle den Ausbruch von Covid-19 verhindert. Schwere Nebenwirkungen sind nicht registriert worden. Inwieweit die Impfung vor schweren Verläufen schützt und welche Langzeitnebenwirkungen auftreten können, das soll über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden. In diesen zwei Jahren sollen mehrere zehntausend Menschen diese Impfung zu Studienzwecken bekommen. Der Impfstoff hat nur einen Nachteil: "BNT162b2" kann nur bei einer Temperatur von -70 °C transportiert und gelagert werden. Das bedeutet einen großen logistischen Aufwand.

BioNTech und Pfizer haben am 20. November eine Notfall-Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beantragt. Am 30. November ging der Antrag bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ein, am 21. Dezember hat sich diese für eine Zulassung ausgesprochen und die EU-Kommission hat den Impfstoff zugelassen. Großbritannien hat als erstes Land weltweit eine Notfallzulassung für den Corona-Impfstoff von BioNTech und Pfizer erteilt. Dort wird seit dem 7. Dezember 2020 die Bevölkerung geimpft.

Die EU-Kommission hat mit BioNTech und Pfizer einen Vertrag für einen Lieferumfang von 200 Millionen Dosen abgeschlossen. 100 Millionen Dosen sollten bis Ende 2020 bereitstehen. Allerdings gab es Probleme in der Lieferkette, deshalb wurde das Auslieferungsziel für dieses Jahr auf 50 Millionen Impfdosen halbiert. Bis Ende 2021 sollen der EU 1,3 Milliarden Dosen zur Verfügung stehen.

In der Europäischen Union leben (Stand Januar 2020) 447,7 Millionen Menschen. Die aktuelle Zahl an Impfdosen reicht also bislang nur aus, um einen winzigen Bruchteil der Bevölkerung zu impfen.

Der Covid-Impfstoff "mRNA-1273" von Moderna

Der US-Pharmakonzern Moderna hat ebenfalls einen Impfstoff entwickelt, der dem Stoff von BioNTech und Pfizer sehr ähnlich ist. Auch diese Impfung erfolgt in zwei Dosen. Hier ergaben die Studien an mehreren zehntausend Menschen eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent. Die Wirksamkeit ist also fast genau so hoch wie die von "BNT162b".  Auch hier sind keine schweren Nebenwirkungen festgestellt worden. Langzeitschäden der Impfung können erst in einigen Jahren beobachtet werden. Auch Moderna hat am 30. November die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA beantragt. Parallel dazu wurde auch eine Notfall-Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA auf den Weg gebracht. Die EMA will am 12. Januar über die Zulassung entschieden. Der Vorteil von "mRNA-1271" ist, dass der Stoff 30 Tage in Kühlschränken bei Temperaturen rund um 2° bis 8 °C gelagert werden kann.

Das Unternehmen will im ersten Quartal des kommenden Jahres 100 bis 125 Millionen Dosen Impfstoff produzieren. Der Großteil davon ist für die USA bestimmt. Allerdings hat die EU-Kommission mit Moderna vereinbart, dass bei einer Zulassung 80 Millionen Impfstoffdosen an die EU geliefert werden. Weitere 80 Millionen sollen, wenn nötig, folgen.

Wie funktioniert eine mRNA-Impfung?

Bei altbewährten Impfungen, wie den Impfungen gegen Masern oder Grippe, werden Lebend- oder Totimpfstoffe verwendet. Man injiziert also das Virus in abgeschwächter oder zerstörter Form und wartet auf die Reaktion des Körpers. Dieser bildet Antikörper und wird gegen das Virus immun. Mit dieser klassischen Impfung wird das Abwehrsystem des Körpers quasi trainiert. Man spricht von einer aktiven Impfung.

Bisher gibt es weltweit keine Impfung, die nur mRNA enthält. Diese Technik könnte die Impftechnologie komplett revolutionieren.

Bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs setzen die Pharmakonzerne aber auf mRNA-Impfstoffe. mRNA bedeutet "messenger RNA" bzw. ribonucleic acid. Ins Deutsche übersetzt - Ribonucleinsäure, weshalb der Stoff oft auch als RNS abgekürzt wird. mRNA ist nichts anderes als ein Bauplan für das Oberflächenprotein des Corona-Virus. Bei der Impfung wird also nicht das Virus selbst und auch nicht das Protein direkt gespritzt, sondern nur der genetische Code dafür. Dieser ist an sich vollkommen ungefährlich.

Einfach erklärt: Sie bekommen den Bauplan für ein Regal und müssen sich Holz, Bretter und Schrauben selbst im Keller zusammensuchen. mRNA, also der genetische Code, der Bauplan, gelangt in die Zelle und wird dort abgelesen. Unser Körper entwickelt daraufhin das Oberflächenprotein des Corona-Virus. Er baut die Oberfläche des Virus nach mit allem Material, das der Körper selbst zur Verfügung stellt. Unser Immunsystem erkennt die Struktur des Virus und produziert passende Antikörper. Von hier an funktioniert es wie bei einer aktiven Impfung. Das Abwehrsystem wird trainiert und ist so für den Notfall vorbereitet. Die mRNA selbst existiert nur ein paar Stunden in unserem Körper und wird dann wieder abgebaut.

Der Vorteil der mRNA-Impfung liegt darin, dass man den Impfstoff einfacher und in kürzerer Zeit in großem Stil herstellen kann. Bei herkömmlichen Impfungen muss man das Virus erst vermehren, um es dann direkt zu impfen. Trotzdem gibt es bisher weltweit keine Impfung, die nach diesem Prinzip funktioniert, also bei der nur mRNA gespritzt wird.

Wie wird ein Impfstoff entwickelt und getestet?

Bevor man einen Impfstoff entwickeln kann, muss man sich zunächst das Virus genau anschauen. In der sogenannten präklinischen Phase wird festgelegt, welche Bestandteile das Virus hat und was das für den Impfstoff bedeutet. Danach wird der Impfstoff an Tieren erprobt. Dieser Schritt wurde bei der Corona-Impfstoffenwicklung verkürzt. Anschließend wird er in einem dreistufigen Verfahren an Freiwilligen getestet. In Phase I testet man die Verträglichkeit eines Impfstoffs und seine Fähigkeit, eine Immunabwehrreaktion hervorzurufen. Das passiert an maximal 100 gesunden Freiwilligen. In der Phase II bekommen dann mehrere hundert Freiwillige die richtige Dosis gespritzt. Auch hier geht es darum, wie der menschliche Körper den Stoff verträgt. In Phase III erhalten mehrere tausend bis mehrere zehntausend Freiwillige den Impfstoff. Im Alltag soll erprobt werden, ob er wirklich vor einer Infektion schützt und sicher ist. Seltene Nebenwirkungen werden erkennbar. Phase III ist meistens für mehrere Jahre angelegt, um auch Langzeitfolgen zu erkennen. Die aktuellen Corona-Impfstoffe stecken mitten in Phase III. Trotzdem wurde das Zulassungsverfahren bereits eingeleitet bzw. sind Zulassungen erteilt.

Wie funktioniert die Zulassung eines Impfstoffs?

Ein Impfstoff erhält in Deutschland nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen ist, dass er wirksam und verträglich ist. Diesen Nachweis muss der Hersteller durch vorklinische und klinische Untersuchungen selbst erbringen.

Bei der Zulassung des Corona-Impfstoffes wurden vorklinische Studien und bürokratische Prozesse abgekürzt. Deshalb ging alles viel schneller.

In Europa entscheidet die Europäische Kommission, ob ein Impfstoff zugelassen wird oder nicht. Die Kommission wird beraten von der Europäische Arzneimittelagentur EMA. Diese spricht eine Empfehlung aus oder eben nicht.

Der Impfstoff wird von Expertinnen und Experten der nationalen Arzneimittelbehörden Europas bewertet, also auch von den Experten des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts. Sie bilden einen Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) und beurteilen, ob die Vorteile eines Impfstoffs nach EU-Arzneimittelgesetzgebung weitaus größer sind als alle Nebenwirkungen oder potenziellen Risiken. Zudem werden Einschätzungen zur Wirkung des Arzneimittels von Experten gesammelt und die vorgelegten Daten der Studien kontrolliert. Denn die Studien am Impfstoff werden bis zu diesem Zeitpunkt von den Pharmafirmen, die den Impfstoff entwickeln selbst durchgeführt. Es ist wichtig, dass unabhängige Experten die Daten prüfen. Am Ende bewertet der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) die Arzneimittelsicherheit.

Für den Corona-Impfstoff wurden die Prozesse der Zulassung beschleunigt. Das bedeutet nicht, dass weniger Studien durchgeführt wurden als bei anderen Impfstoffen, sondern lediglich, dass Pharmafirmen ihre Impfstoffe bereits während der Phase III der klinischen Studien bei der EMA melden können. Vorklinische Studien und bürokratische Prozesse wurden abgekürzt. Die Prozesse wurden fusioniert.

Zudem ging die Impfstoffentwicklung für den Coronaimpfstoff deshalb so schnell, weil von vielen Seiten viel Geld investiert wurde. Damit konnten Studien ohne Zeitverzögerung im großen Stil durchgeführt werden.

(Quelle u.a. BR)



Erstellt am 23.12.2020 12:08, geändert am 23.12.2020 12:19