Das Rüdenhäuser "Kriegerdenkmal" wird 100 – eine kleine Kulturgeschichte

Unser "Kriegerdenkmal", das sich in seiner Gestaltung von anderen, in der näheren aber auch weiteren Umgebung, deutlich abhebt, wird 100 Jahre alt. 1 Jahr nach dem Ende eines schrecklichen, unzählig viele Opfer fordernden Krieges, des 1. Weltkrieges, wurde es auf dem Rüdenhäuser Gemeindefriedhof errichtet.

Das Kruzifix auf dem Rüdenhäuser Gemeindefriedhof ist jedermann bekannt und vertraut. Doch die wenigsten kennen seine Herkunft und die Bedeutung dieses historischen Kunstwerkes. Hier einige Erläuterungen dazu:

 

 

Dem damaligen Zeitgeist folgend befand auch Rüdenhausen der relativ hohen Zahl seiner Kriegsopfer einen Ort der Erinnerung, der Trauer aber auch der Mahnung zu widmen.
Im Gemeindefriedhof wurde zu diesem Zweck vor einer Mauer mit in Tafeln eingelassenen Namen der Rüdenhäuser Getöteten des ersten Weltkrieges ein Kruzifix des bekannten Münchner Künstlers Mathias Gasteiger errichtet.

Dieses Holzkreuz mit geschnitztem Corpus war zum großen Teil eine Stiftung des Fürsten Casimir zu Castell-Rüdenhausen, zum anderen Teil durch Geldspenden Rüdenhäuser Bürger finanziert und wurde am 20. Juli 1919 seiner Bestimmung übergeben. Noch heute wird jährlich am Volkstrauertag an diesem Denkmal der zivilen und militärischen Opfer von Kriegen und Terrorismus, von Gewalt und Verbrechen erinnert und gedacht.

Ergänzt wurde das Denkmal dann später durch zwei Steinplatten links und rechts des Kruzifixes mit den Namen aller Rüdenhäuser Umgekommenen und Vermissten des 1. und 2. Weltkrieges.

Gemeinderat Ortsbegehung 079

Da der Künstler in Rüdenhausen weitgehend unbekannt ist, hier einige Informationen:
Mathias Gasteiger (* 24. Juni 1871 in München; † 7. Juli 1934 ebenda) war ein deutscher Bildhauer, Zeichner und Unternehmer.
Leben und künstlerisches Wirken
Seine Vorfahren waren Bauern im südtiroler Pustertal. Mathias Gasteiger absolvierte in seiner Geburtsstadt die Kunstakademie und war bei Victor Tilgner in Wien in der Lehre. Nach dem Studium an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste richtete sich Mathias Gasteiger in Schwabing ein Atelier ein. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit unterrichtete er ab 1896 im Sommer in einer eigenen Mal- und Bildhauerschule im Schloss Deutenhofen bei Dachau, wo er regen Kontakt mit den dortigen Künstlern pflegte.
1902 übersiedelte das Ehepaar Gasteiger nach Holzhausen am Ammersee, wo sich die Künstlervereinigung "Die Scholle" um sie gruppierte (so z. B. Fritz Erler, Walter Georgi, Adolf Münzer, Leo Putz und Eduard Thöny). Mathias Gasteiger und seine Frau waren die ersten, die sich am Westufer des Ammersees mit Sichtachse zum Kloster Andechs ein Haus bauten; Holzhausen als Künstlerkolonie ist somit ihre Entdeckung. Im Künstlerhaus, das von einem Landschaftspark umgeben und der Öffentlichkeit zugänglich ist, befindet sich heute ein Museum.
Zeitgleich mit der Ansiedelung in Holzhausen verlegte das Künstlerehepaar seinen Münchner (Haupt)Wohnsitz in den Münchner Stadtteil Gern. Dort waren sie gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gerner Künstlerprominenz und schufen Verbindungen zwischen den Künstlerkolonien Dachau, Gern und Holzhausen.
Der Künstler war Besitzer von Steinbrüchen in Franken und in Laas (Südtirol). Er war maßgebend an der Entwicklung von Anlagen zum Abbau und Transport des Laaser Marmor beteiligt.
Mathias Gasteiger hat für München mehrere Plastiken geschaffen. Seine Brunnengruppe "Satyrherme mit Knabe", in Volksmund "Brunnenbuberl" genannt, sorgte seinerzeit für einen handfesten Skandal um den "unstilisiert nackerten Buam". Prinzregent Luitpold hatte den Künstler höchstpersönlich um ein Feigenblatt für den unbedeckten Knaben gebeten. Doch der Wunsch seiner königlichen Hoheit blieb unerhört.


Brunnenbuberl
Eines der zahlreichen "Brunnenbuberl" von Gasteiger; hier: Neuhauser Str. in München (am Karlstor, in unmittelbarer Nähe des „Stachus“)

(Quellen u.a. Wikipedia; Fotos (3): Manto Castell-R.)

 



Erstellt am 18.10.2013 11:49, geändert am 02.07.2019 09:17